Mehrwertsteuer-Änderung

Stand: 23.07.2020 - ergänzt um Abrechnung von Gesamtleistungen und Link zum BMF-Schreiben

Wir haben hier Möglichkeiten zusammengestellt, wie Sie mit einer Mehrwertsteuer-Änderung in ORCA AVA umgehen können. Bitte entscheiden Sie selbst, welche Vorgehensweise für Ihren Anwendungsfall in Frage kommt.

Eingabe des MwSt-Satzes in ORCA AVA

Eine Gesamtleistung in einer Rechnungssequenz abrechnen

Teilleistungen durch Splitting des Auftrags abrechnen

Teilleistungen über mehrere Rechnungssequenzen abbilden

Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen zur befristeten Absenkung des allgemeinen und ermäßigten Umsatzsteuersatzes zum 1. Juli 2020

  • Die von ORCA AVA berechnete Mehrwertsteuer auf Basis eines eingetragenen Mehrwertsteuer-%-Satzes ist rein informativ für den Zahlungspflichtigen. Sie muss nicht identisch sein mit der realen Umsatzsteuer, die Auftragnehmer oder Bauherr an ihre Finanzämter zahlen müssen oder als Vorsteuer geltend machen können. Für verbindliche Auskünfte zu Umsatzsteuer-Fragen sollten Sie bzw. der Bauherr sich an einen Steuerberater oder das zuständige Finanzamt wenden.
  • ORCA AVA ist in erster Linie für Planer ausgelegt und kein Buchhaltungsprogramm. Für den Vorsteuerabzug wird nach § 15 UStG eine Rechnung des Unternehmers benötigt. Mit den Rechnungsfreigaben in ORCA AVA validieren Sie die abgerechneten Leistungen, um dem Auftraggeber die Prüfung zu ermöglichen. Die Rechnungsfreigaben ersetzen die Rechnungen selbst jedoch nicht.
  • ORCA AVA prüft nicht, ob rechtliche Voraussetzungen für die Verwendung folgender Vorgehensweisen tatsächlich gegeben sind. Bitte informieren Sie sich deshalb vorher zu den rechtlichen Fragen, beispielsweise
    - zur Versteuerung von Teilleistungen im Umsatzsteuergesetz (UStG) § 13 Entstehung der Steuer Abs. (1) Nr. 1
    - zur steuerrechtlich wirksamen Teilabnahme in der VOB/B § 12 Abnahme, Absatz (2)
    - zur Rechnungstellung vereinbarter Teilleistungen in der VOB/B § 16 Zahlung
    - zu den aktuellen Regelungen im Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen.

Eingabe des MwSt-Satzes in ORCA AVA

ORCA AVA bietet Ihnen eine Systematik überschreibbarer Voreinstellungen zur Eingabe der Mehrwertsteuer. Bei einer Mehrwertsteueränderung ist die Eingabe des MwSt-Satzes in folgenden Projekttabellen sinnvoll:

Projekttabelle

Eingabe von Mehrwertsteuer %

Auswirkung auf

Gewerkeschätzung

Eigenschaften: LV, Registerkarte Allgemein

 

Leistungsverzeichnisse

Eigenschaften: LV, Registerkarte Allgemein

Angebote

Aufträge

Eigenschaften: Auftrag, Registerkarte Allgemein

Aufmaßprüfung

Rechnungsfreigabe

Eigenschaften: Rechnung

 

Projektdaten

Währung/Steuer

Kostengliederungen

Mit Ausnahme der Projektdaten finden Sie das Eingabefeld Mehrwehrsteuer % im Eigenschaften-Dialog des jeweiligen Elementes:

Eine Gesamtleistung in einer Rechnungssequenz abrechnen

In diesem Szenario startete Ihr Projekt vor dem 30.6.2020 und endet im Zeitraum 1.7. 2020 bis 31.12.2020. Die Mehrwertsteuer wird bis zum 30.6.2020 mit 19 Prozent ausgewiesen, ab dem 1.7.2020 mit 16 Prozent. Zum Zeitpunkt der Schlussrechnung beträgt der Mehrwertsteuersatz 16 Prozent. Durch kumulative Abrechnung in ORCA AVA wird in der Schlussrechnung der korrekte Betrag mit 16 Prozent Mehrwertsteuer auf die Gesamtleistung ausgewiesen.

INFO

"Maßgebend für die Anwendung dieser Umsatzsteuersätze ist stets der Zeitpunkt, in dem der jeweilige Umsatz ausgeführt wird. Auf den Zeitpunkt der vertraglichen Vereinbarung kommt es ebenso wenig an wie auf den Zeitpunkt der Entgeltsvereinnahmung oder der Rechnungserteilung (...)."

Schreiben des BMF - Seite 5

Zum Ende des Zeitraums mit 19 % Mehrwertsteuer erstellen Sie die letzte Teilrechnung für diesen Zeitraum:

Ab dem Zeitpunkt der Mehrwertsteuersenkung erstellen Sie weitere Teilrechnungen mit 16 % Mehrwertsteuer. Den geänderten MwSt-Satz tragen Sie direkt im Feld MwSt. % ein:

Spätestens zum Ende der MwSt-Absenkung wurde die Leistung vollständig erbracht. Im weiteren Verlauf erstellen Sie die Schlussrechnung für Ihr Projekt in ORCA AVA:

Beispiel: Tabelle Rechnungsfreigabe, Abrechnung einer Gesamtleistung mit Anpassung der Mehrwertsteuer von 19 % auf 16 % in einer Rechnungsfolge:

Teilleistungen durch Splitting des Auftrags abrechnen

Sie können für Teilleistungen mit anderem Mehrwertsteuersatz einen eigenen Auftrag anlegen und diesen Auftrag dann wie gewohnt abrechnen.

Die Erweiterte Suche unterstützt Sie beim Splitting von Aufträgen mit folgenden Filtern:

  • Mit Gesamtmenge
  • Ohne Menge (keine Aufmaße)
  • Aufmaßprüfung abgeschlossen

Teilleistungen mit mehreren Rechnungssequenzen abrechnen

Möglichkeiten in den Tabellen Aufträge, Rechnungsfreigabe, Aufmaßprüfung

  • Zeiträume mit unterschiedlichen MwSt-Sätzen lassen sich durch Rechnungssequenzen innerhalb eines Auftrags abbilden. Eine Rechnungssequenz endet jeweils mit einer Rechnung der technischen Rechnungsart Schlussrechnung und kann mehrere Teilrechnungen umfassen.
  • Um alle Rechnungssequenzen eines Auftrags zu kumulieren, verwenden Sie die Seitenausgabe: Kostenfeststellungen (LV-Ebene).
  • Zur Ausgabe des Aufmaßstands verwenden Sie das Layout Aufmaßprüfung - Varianten/Leistungsübersicht mit allen Daten und Positionen (quer).
  • Zur Freigabe der Sicherheit über mehrere Rechnungssequenzen hinweg erstellen Sie eine Regierechnung mit einem pauschalen Betrag für die Sicherheit.
  • Für Nachträge mit abweichendem MwSt-Satz vom Hauptauftrag legen Sie einen neuen Auftrag an.

Auswirkungen von MwSt-Änderungen auf Kostenstand

  • Brutto-Prognosen im Bereich Kostenstand - Gewerke sind nur bedingt valide. Je nach Situation können Sie eine manuelle Anpassung vornehmen. Eine Möglichkeit wird weiter unten gezeigt.
  • Auswertungen nach Kostengruppen in Kostenstand - Kostengliederung sind nur netto möglich, da in einer Kostengruppe nur ein MwSt-Satz zugeordnet werden kann.

Verschiedene MwSt-Sätze in mehreren Rechnungssequenzen abbilden

In der Tabelle Rechnungsfreigabe erstellen Sie für den Zeitraum mit dem alten MwSt-Satz eine neue Rechnung mit der Rechnungsart Schlussrechnung.

Zum Beginn eines Zeitraums mit neuem MwSt-Satz erstellen Sie eine neue Teilrechnung.

Beispiel: Tabelle Rechnungsfreigabe, Auftrag mit Anpassung der Mehrwertsteuer von 19 % auf 16 % und wieder 19 % in drei Rechnungsfolgen:

Bei diesem Prinzip der Rechnungssequenzen gilt:

  • Eine Rechnung der Rechnungsart Schlussrechnung kumuliert nur die ihr untergeordnete Rechnungssequenz.
  • Jede Rechnungssequenz mit Teilrechnungen und abschließender Rechnung der Rechnungsart Schlussrechnung wird separat betrachtet.

Vorgehensweise

In der Tabelle Rechnungsfreigabe erstellen Sie eine Rechnung der Rechnungsart "Schlussrechnung" über Neu | Schlussrechnung. Damit beenden Sie die zeitliche Phase mit dem früheren MwSt-Satz. Eine Rechnung der Rechnungsart Schlussrechnung kann im Feld Bezeichnung beliebig benannt werden, z.B. "Zwischenrechnung Mehrwertsteueranpassung", "Abrechnung zur Mehrwertsteuersenkung", "Leistungsfeststellung zur MwSt-Umstellung" oder "Zwischenstand MwSt-Änderung".

TIPP

Stimmen Sie sich mit dem Auftraggeber/Steuerberater und dem Auftragnehmer ab, welche Bezeichnung in der Rechnungsfreigabe von ORCA AVA und der tatsächlichen Rechnung des Auftragnehmers verwendet werden soll.

 

Für die Phase des geänderten MwSt-Satzes beginnen Sie eine neue Rechnungsfolge: Neu | Teilrechnung. In dieser Teilrechnung tragen Sie den neuen MwSt-Satz ein, der innerhalb dieser Rechnungsfolge weitergegeben wird. In anderen Rechnungssequenzen bleibt der MwSt-Satz davon unbeeinflusst.

 

Zum Beenden der Rechnungsfolge mit dem geänderten MwSt-Satz erstellen Sie wieder eine Rechnung der Rechnungsart "Schlussrechnung": Neu | Schlussrechnung. Auch diese kann beliebig bezeichnet werden.

Für eine erneute Änderung des Mehrwertsteuersatzes wiederholen Sie die Schritte 2 und 3.

Kumulierte Ausgabe in der Rechnungsfreigabe

Um alle Rechnungen mit allen MwSt-Sätzen kumuliert auszugeben, verwenden Sie ein Layout aus Kostenfeststellungen (LV-Ebene):

Nun werden alle Rechnungen mit den unterschiedlichen MwSt-Sätzen aufgeführt und der Summenverlauf der erfolgten Freigaben angezeigt:

Kumulierte Ausgabe in der Aufmaßprüfung

Verwenden Sie in Seitenansicht | Drucken das Layout Aufmaßprüfung - Varianten/Leistungsübersicht mit allen Daten und Positionen (quer).

Mit diesem Layout vergleichen Sie bequem die beauftragten Mengen mit dem Stand der Aufmaßprüfung:

Brutto-Angaben im Kostenstand - Gewerke manuell anpassen

Im Kostenstand - Gewerke rechnet ORCA AVA nur mit einem MwSt-Satz. Falls Sie Brutto-Auswertungen in Aufträgen mit gemischten MwSt-Sätzen benötigen, können Sie zum Ausgleich in der aktuellen Rechnung einen neuen pauschalen Abzug Brutto erstellen und dort den Differenzbetrag der beiden MwSt-Sätze eintragen.

  1. Öffnen Sie den Dialog Eigenschaften: Rechnung der aktuellen Rechnung.
  2. Tragen Sie im Feld MwSt. % nacheinander die beiden Prozentsätze ein und berechnen Sie die Differenz.

  3. Über die Ellipsis-Schaltfläche zum Feld Abzug Brutto öffnen Sie den Dialog Abzüge vom Bruttobetrag und erstellen einen neuen pauschalen Abzug. Übernehmen Sie den Differenzbetrag in das Feld Betrag. Diesen Abzug setzen Sie auf Aktiv - Nein und Bei der Prognose berücksichtigen - Ja.

Haben Sie Änderungen in der Rechnungsfreigabe durchgeführt und wollen eine aktualisierte Brutto-Prognose ausgeben, müssen Sie den pauschalen Wert dieses Abzug Brutto erneut manuell anpassen.

Freigabe der Sicherheit

In einzelnen Rechnungssequenzen können Sie die Freigabe der Sicherheit wie gewohnt erstellen, vorausgesetzt Sie haben noch keine weitere Rechnungssequenz begonnen.

Freigabe der Sicherheit zu mehreren Rechnungssequenzen

Bei dieser Methode tragen Sie in einer Regierechnung nach der letzten Schlussrechnung die Sicherheit pauschal als negativen Wert ein.

  1. Öffnen Sie in der Tabelle Aufträge die Eigenschaften: Auftrag.
  2. Öffnen Sie die Vertragsbedingungen und stellen Sie die Art der Sicherheit auf Abzug pauschal.

  3. Wechseln Sie in die Tabelle Rechnungsfreigabe und kopieren Sie die Summe der Sicherheitseinbehalte, z.B. aus der Spalte Sicherheit (€):

  4. Erstellen Sie nach der letzten Schlussrechnung über Neu | Regierechnung eine Regierechnung. Diese können Sie im Feld Bezeichnung beliebig benennen.

    Fügen Sie die Summe der Sicherheitseinbehalte als negativen Betrag im Feld Sicherheit ein. MwSt % und Skonto % setzen Sie auf Null.

    Nun erscheint in der Spalte Sicherheit (€) auf der Ebene des Auftrages der Wert 0,00 - die Sicherheit wurde über die Regierechnung freigegeben.

    INFO

    Beim erneuten Öffnen dieser Regierechnung erhalten Sie folgende Meldung:

    Bestätigen Sie mit Nein, so behalten Sie den pauschalen Betrag für die Sicherheit in der Regierechnung bei.

Kumulierte Ausgabe der Sicherheit

Um die Freigabe der Sicherheit und die einzelnen Sicherheitseinbehalte aus allen Rechnungssequenzen gegenüberzustellen, verwenden Sie auch hier ein Layout aus Kostenfeststellungen (LV-Ebene):

Zahlungsfreigabe für die Sicherheit erstellen

Sie können das Layout Freigabe der Sicherheit auch auf die Regierechnung anwenden:

Nachträge in Aufträgen

Nachträge mit abweichendem MwSt-Satz vom Hauptauftrag erfassen Sie am besten über einen eigenen Auftrag in der Tabelle Aufträge.

  1. In den Eigenschaften: Auftrag tragen Sie den gewünschten Mehrwertsteuersatz ein. Beispiel für einen Nachtrag mit 16% MwSt zu einem Auftrag mit 19% in der Tabelle Aufträge:

  2. In der Tabelle Rechnungsfreigabe legen Sie nun eine neue Teil- oder Schlussrechnung für den Nachtrag im Nachtrags-Auftrag an. Der MwSt-Satz wird aus dem Auftrag übernommen:

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