Mehrwertsteuer-Änderung

Stand: 30.06.2020 - ergänzt um Freigabe der Sicherheit

Wir haben hier Möglichkeiten zusammengestellt, wie Sie mit einer Mehrwertsteueränderung in ORCA AVA umgehen können. Wählen Sie bitte die passende Vorgehensweise für Ihren Anwendungsfall aus.

  • Die von ORCA AVA berechnete Mehrwertsteuer auf Basis eines eingetragenen Mehrwertsteuer-%-Satzes ist rein informativ für den Zahlungspflichtigen. Sie muss nicht identisch sein mit der realen Umsatzsteuer, die Auftragnehmer oder Bauherr an ihre Finanzämter zahlen müssen oder als Vorsteuer geltend machen können. Für verbindliche Auskünfte zu Umsatzsteuer-Fragen sollten Sie bzw. der Bauherr sich an einen Steuerberater oder das zuständige Finanzamt wenden.
  • ORCA AVA ist in erster Linie für Planer ausgelegt und kein Buchhaltungsprogramm. Für den Vorsteuerabzug wird nach § 15 UStG eine Rechnung des Unternehmers benötigt. Mit den Rechnungsfreigaben in ORCA AVA validieren Sie die abgerechneten Leistungen, um dem Auftraggeber die Prüfung zu ermöglichen. Die Rechnungsfreigaben ersetzen die Rechnungen selbst jedoch nicht.

ORCA AVA prüft nicht, ob rechtliche Voraussetzungen für die Verwendung folgender Vorgehensweisen tatsächlich gegeben sind. Bitte informieren Sie sich deshalb vorher zu den rechtlichen Fragen, beispielsweise
- zur Versteuerung von Teilleistungen im Umsatzsteuergesetz (UStG) § 13 Entstehung der Steuer Abs. (1) Nr. 1
- zur steuerrechtlich wirksamen Teilabnahme in der VOB/B § 12 Abnahme, Absatz (2)
- zur Rechnungstellung vereinbarter Teilleistungen in der VOB/B § 16 Zahlung

Vorgehensweise A: Auftrag splitten

Sie können für Teilleistungen mit anderem MwSt-Satz einen eigenen Auftrag anlegen und diesen Auftrag dann wie gewohnt abrechnen.

Die Erweiterte Suche unterstützt Sie beim Splitting von Aufträgen mit folgenden Filtern:

  • Mit Gesamtmenge
  • Ohne Menge (keine Aufmaße)
  • Aufmaßprüfung abgeschlossen

Vorgehensweise B: Rechnungsfreigabe mit mehreren Rechnungssequenzen

Möglichkeiten in den Tabellen Aufträge, Rechnungsfreigabe, Aufmaßprüfung

  • Zeiträume mit unterschiedlichen MwSt-Sätzen lassen sich durch Rechnungssequenzen innerhalb eines Auftrags abbilden. Eine Rechnungssequenz endet jeweils mit einer Schlussrechnung und kann mehrere Teilrechnungen umfassen.
  • Um alle Rechnungssequenzen eines Auftrags zu kumulieren, verwenden Sie die Seitenausgabe: Kostenfeststellungen (LV-Ebene).
  • Zur Ausgabe des Aufmaßstands verwenden Sie das Layout Aufmaßprüfung - Varianten/Leistungsübersicht mit allen Daten und Positionen (quer).
  • Zur Freigabe der Sicherheit über mehrere Rechnungssequenzen hinweg erstellen Sie eine Regierechnung mit einem pauschalen Betrag für die Sicherheit.
  • Für Nachträge mit abweichendem MwSt-Satz vom Hauptauftrag legen Sie einen neuen Auftrag an.

Auswirkungen von MwSt-Änderungen auf Kostenstand

  • Brutto-Prognosen im Bereich Kostenstand - Gewerke sind nur bedingt valide. Je nach Situation können Sie eine manuelle Anpassung vornehmen. Eine Möglichkeit wird weiter unten gezeigt.
  • Auswertungen nach Kostengruppen in Kostenstand - Kostengliederung sind nur netto möglich, da in einer Kostengruppe nur ein MwSt-Satz zugeordnet werden kann.

Zur Vorgehensweise B folgen nun ausführliche Anleitungen.

Verschiedene MwSt-Sätze in eigenen Rechnungssequenzen abbilden

In der Tabelle Rechnungsfreigabe erstellen Sie für den Zeitraum mit dem alten MwSt-Satz eine neue Schlussrechnung. Zum Beginn eines Zeitraums mit neuem MwSt-Satz erstellen Sie eine neue Teilrechnung.

In der Tabelle Rechnungsfreigabe erstellen Sie eine Schlussrechnung über Neu | Schlussrechnung. Damit beenden Sie die zeitliche Phase mit dem früheren MwSt-Satz. Die Rechnungsart Schlussrechnung kann im Feld Bezeichnung beliebig benannt werden, z.B. "Zwischenrechnung Mehrwertsteueranpassung", "Abrechnung zur Mehrwertsteuersenkung", "Leistungsfeststellung zur MwSt-Umstellung" oder "Zwischenstand MwSt-Änderung".

TIPP

Stimmen Sie sich mit dem Auftraggeber/Steuerberater und dem Auftragnehmer ab, welche Bezeichnung in der Rechnungsfreigabe von ORCA AVA und der tatsächlichen Rechnung des Auftragnehmers verwendet werden soll.

 

Für die Phase des geänderten MwSt-Satzes beginnen Sie eine neue Rechnungsfolge: Neu | Teilrechnung. In dieser Teilrechnung tragen Sie den neuen MwSt-Satz ein, der innerhalb dieser Rechnungsfolge weitergegeben wird. In anderen Rechnungssequenzen bleibt der MwSt-Satz davon unbeeinflusst.

 

Zum Beenden der Rechnungsfolge mit dem geänderten MwSt-Satz erstellen Sie wieder eine Schlussrechnung: Neu | Schlussrechnung. Auch diese kann beliebig bezeichnet werden.

Bei diesem Prinzip der Rechnungssequenzen gilt:

  • Eine Schlussrechnung kumuliert nur die ihr untergeordnete Rechnungssequenz.
  • Jede Rechnungssequenz mit Teilrechnungen und abschließender Schlussrechnung wird separat betrachtet.

Beispiel: Tabelle Rechnungsfreigabe, Auftrag mit Anpassung der Mehrwertsteuer von 19% auf 16% und wieder 19% in drei Rechnungsfolgen:

Kumulierte Ausgabe in der Rechnungsfreigabe

Um alle Rechnungen mit allen MwSt-Sätzen kumuliert auszugeben, verwenden Sie ein Layout aus Kostenfeststellungen (LV-Ebene):

Nun werden alle Rechnungen mit den unterschiedlichen MwSt-Sätzen aufgeführt und der Summenverlauf der erfolgten Freigaben angezeigt:

Kumulierte Ausgabe in der Aufmaßprüfung

Verwenden Sie in Seitenansicht | Drucken das Layout Aufmaßprüfung - Varianten/Leistungsübersicht mit allen Daten und Positionen (quer).

Mit diesem Layout vergleichen Sie bequem die beauftragten Mengen mit dem Stand der Aufmaßprüfung:

Brutto-Angaben im Kostenstand - Gewerke manuell anpassen

Im Kostenstand - Gewerke rechnet ORCA AVA nur mit einem MwSt-Satz. Falls Sie Brutto-Auswertungen in Aufträgen mit gemischten MwSt-Sätzen benötigen, können Sie zum Ausgleich in der aktuellen Rechnung einen neuen pauschalen Abzug Brutto erstellen und dort den Differenzbetrag der beiden MwSt-Sätze eintragen.

  1. Öffnen Sie den Dialog Eigenschaften: Rechnung der aktuellen Rechnung.
  2. Tragen Sie im Feld MwSt. % nacheinander die beiden Prozentsätze ein und berechnen Sie die Differenz.

  3. Über die Ellipsis-Schaltfläche zum Feld Abzug Brutto öffnen Sie den Dialog Abzüge vom Bruttobetrag und erstellen einen neuen pauschalen Abzug. Übernehmen Sie den Differenzbetrag in das Feld Betrag. Diesen Abzug setzen Sie auf Aktiv - Nein und Bei der Prognose berücksichtigen - Ja.

Haben Sie Änderungen in der Rechnungsfreigabe durchgeführt und wollen eine aktualisierte Brutto-Prognose ausgeben, müssen Sie den pauschalen Wert dieses Abzug Brutto erneut manuell anpassen.

Freigabe der Sicherheit

In einzelnen Rechnungssequenzen können Sie die Freigabe der Sicherheit wie gewohnt erstellen, vorausgesetzt Sie haben noch keine weitere Rechnungssequenz begonnen.

Freigabe der Sicherheit zu mehreren Rechnungssequenzen

Bei dieser Methode tragen Sie in einer Regierechnung nach der letzten Schlussrechnung die Sicherheit pauschal als negativen Wert ein.

  1. Öffnen Sie in der Tabelle Aufträge die Eigenschaften: Auftrag.
  2. Öffnen Sie die Vertragsbedingungen und stellen Sie die Art der Sicherheit auf Abzug pauschal.

  3. Wechseln Sie in die Tabelle Rechnungsfreigabe und kopieren Sie die Summe der Sicherheitseinbehalte, z.B. aus der Spalte Sicherheit (€):

  4. Erstellen Sie nach der letzten Schlussrechnung über Neu | Regierechnung eine Regierechnung. Diese können Sie im Feld Bezeichnung beliebig benennen.

    Fügen Sie die Summe der Sicherheitseinbehalte als negativen Betrag im Feld Sicherheit ein. MwSt % und Skonto % setzen Sie auf Null.

    Nun erscheint in der Spalte Sicherheit (€) auf der Ebene des Auftrages der Wert 0,00 - die Sicherheit wurde über die Regierechnung freigegeben.

    INFO

    Beim erneuten Öffnen dieser Regierechnung erhalten Sie folgende Meldung:

    Bestätigen Sie mit Nein, so behalten Sie den pauschalen Betrag für die Sicherheit in der Regierechnung bei.

Kumulierte Ausgabe der Sicherheit

Um die Freigabe der Sicherheit und die einzelnen Sicherheitseinbehalte aus allen Rechnungssequenzen gegenüberzustellen, verwenden Sie auch hier ein Layout aus Kostenfeststellungen (LV-Ebene):

Zahlungsfreigabe für die Sicherheit erstellen

Sie können das Layout Freigabe der Sicherheit auch auf die Regierechnung anwenden:

Nachträge in Aufträgen

Nachträge mit abweichendem MwSt-Satz vom Hauptauftrag erfassen Sie am besten über einen eigenen Auftrag in der Tabelle Aufträge.

  1. In den Eigenschaften: Auftrag tragen Sie den gewünschten Mehrwertsteuersatz ein. Beispiel für einen Nachtrag mit 16% MwSt zu einem Auftrag mit 19% in der Tabelle Aufträge:

  2. In der Tabelle Rechnungsfreigabe legen Sie nun eine neue Teil- oder Schlussrechnung für den Nachtrag im Nachtrags-Auftrag an. Der MwSt-Satz wird aus dem Auftrag übernommen:

 

 

 

 

 

 

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